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Welttag für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz am 28. April

Written by on 25. April 2022

Kreis Rendsburg-Eckernförde: NGG fordert mehr Personal für Arbeitsschutz-Kontrollen

Zu wenige Kontrollen beim Arbeitsschutz: Von der richtigen Schutzkleidung in der
Lebensmittelherstellung bis hin zur Arbeitszeiterfassung in der Gastronomie – die
Aufsichtsbehörden sollen Unternehmen im Kreis Rendsburg-Eckernförde häufiger daraufhin
prüfen, ob Arbeitsschutzvorschriften eingehalten werden. Das fordert die Gewerkschaft
Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum Welttag für Gesundheit und Sicherheit am
Arbeitsplatz an diesem Donnerstag [f. d. Red.: 28. April].
Allerdings fehle es den Ämtern häufig an Personal. Nach einem aktuellen Bericht der
Bundesregierung waren in Schleswig-Holstein im Jahr 2020 insgesamt lediglich
55 Aufsichtsbeamtinnen und -beamte für Arbeitsschutz-Prüfungen zuständig. „Damit muss sich
rein rechnerisch ein Kontrolleur landesweit um 1.441 Betriebe kümmern. Mit dieser Quote ist
effektiver Arbeitsschutz kaum möglich“, kritisiert Philipp Thom, Geschäftsführer der NGG-
Region Schleswig-Holstein Nord. Der kritische Kontrollblick auf die Gefahren am Arbeitsplatz
dürfe nicht länger eine „Rarität der Arbeitswelt“ bleiben. Nach Angaben der Arbeitsagentur gibt
es allein im Kreis Rendsburg-Eckernförde aktuell 7.080 Betriebe (mit mindestens einem
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten).
Der Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies vor knapp zwei Jahren habe gezeigt, wie
wichtig der Gesundheitsschutz der Beschäftigten sei. Die Politik habe zwar den Arbeitsschutz
per Gesetz gestärkt, doch das Personaldefizit bei den lokalen Aufsichtsbehörden sei weiterhin
enorm, so Gewerkschafter Thom. „Die Ämter waren lange vor der Pandemie massiv
unterbesetzt. Das rächt sich jetzt. Ob es um Verstöße gegen Corona-Maßnahmen oder um
fehlenden Unfallschutz geht – am Ende steht die Gesundheit der Beschäftigten auf dem Spiel.“
Dabei könnten die Berufsgenossenschaften, die ebenfalls den Arbeitsschutz kontrollieren, die
staatlichen Missstände nicht wettmachen. „Die Politik muss jetzt rasch dafür sorgen, Fachleute
für die Behörden zu gewinnen“, betont Thom. Dies gelinge aber nur, wenn der öffentliche Dienst
eine attraktive Bezahlung biete.

Eine wichtige Stellschraube für einen besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz sei zugleich die
Mitbestimmung. „Betriebsräte kümmern sich täglich darum, das Risiko für Arbeitsunfälle und
Berufskrankheiten zu minimieren. Mit Konzepten gegen Corona, die zum Unternehmen passen,
leisten sie zugleich einen großen Beitrag gegen Infektionen am Arbeitsplatz“, sagt Thom. Ob in
der Ernährungsindustrie, im Bäckerhandwerk oder im Gastgewerbe – bei den laufenden
Betriebsratswahlen mitzumachen, sei auch mit Blick auf die eigene Gesundheit ratsam, so die NGG.

Aufreger Arbeitszeit: Viele Betriebe lassen Beschäftigte
länger arbeiten, als es das Gesetz erlaubt. Doch die
zuständigen Aufsichtsbehörden kontrollieren zu selten, ob
die Vorschriften eingehalten werden, kritisiert die Gewerkschaft NGG.

Foto: NGG | Alireza Khalili