Current track

Title

Artist

Current show

Sendepause

03:00 22:00

Current show

Sendepause

03:00 22:00


Start der Urlaubssaison trifft auf fehlendes Hotelpersonal im Kreis Rendsburg-Eckernförde

Written by on 4. Juli 2022

Zahl der offenen Stellen in Corona-Zeit um 56 Prozent gestiegen
Start der Urlaubssaison trifft auf fehlendes Hotelpersonal im Kreis
Rendsburg-Eckernförde


Hotellerie
am Limit: Zu Beginn der Hauptreisezeit fehlt in vielen Hotels und Pensionen im
Kreis Rendsburg-Eckernförde das nötige Personal. „Rezeptionistinnen, Köche,
Barkeeper, Service- und Reinigungskräfte werden händeringend gesucht. Ohne sie
kann die Branche in der wichtigsten Saison des Jahres nicht durchstarten“,
sagt Lisa Vordermeier-Weinstein von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.
Die NGG verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach zählte
das Beherbergungsgewerbe im Kreis Rendsburg-Eckernförde Ende Juni 67 offene
Stellen – 29 Prozent mehr als vor genau einem Jahr und 56 Prozent mehr
als Mitte 2019, also vor Beginn der Corona-Pandemie.

„Für viele Hoteliers ist es aktuell einfacher, Gäste zu finden als
Mitarbeiter. Denn in der Folge von Lockdowns und Kurzarbeit haben etliche Beschäftigte
ihre Branche verlassen. Es kommt jetzt darauf an, Fachleute mit guten
Konditionen zu locken, um für die steigende Nachfrage nach Urlaubs- und Geschäftsreisen
gewappnet zu sein“, so Gewerkschaftssekretärin Vordermeier-Weinstein. Ein
entscheidender Punkt sei die Bezahlung. Hier habe sich bereits einiges getan:
Mit dem neuen Tarifvertrag, den die Gewerkschaft mit dem Deutschen Hotel- und
Gaststättenverband (Dehoga) ausgehandelt hat, erhöhen sich die Löhne in der
Branche in Schleswig-Holstein aktuell in mehreren Schritten um insgesamt bis zu
22 Prozent. Bis zum Januar 2023 steigen die Monatseinkommen aller Beschäftigten
damit um 400 Euro. Fachkräfte kommen dann auf einen Stundenlohn von
mindestens 13,31 Euro. „Entscheidend ist nun, dass sich die Betriebe an
die tariflichen Standards halten“, betont Vordermeier-Weinstein.

Doch auch bei den Arbeitsbedingungen müssten die Firmen nachlegen, um sich im
Wettbewerb um dringend gesuchtes Personal behaupten zu können.
„Hotelangestellte arbeiten oft dann, wenn andere frei haben – nachts, am
Wochenende oder an Feiertagen. Das geht zulasten von Familie und Freizeit. Es
ist wichtig, Arbeitszeiten im Sinne der Beschäftigten zu organisieren“, macht
Vordermeier-Weinstein deutlich. Flexibilität dürfe keine Einbahnstraße nur für
Unternehmer sein. Die Gewerkschafterin mahnt zugleich die Einhaltung des
Arbeitszeitgesetzes an: „Auf das vorhandene Personal kommt eine hohe
Mehrbelastung zu. Aber die gesetzlichen Vorschriften, die die Beschäftigten schützen,
dürfen nicht unterlaufen werden. Dabei lassen sie genügend Spielräume, um
Auftragsspitzen abzufedern. Ein Herumexperimentieren am Arbeitszeitgesetz, wie
es die FDP in den Berliner Koalitionsvertrag hineinverhandelt hat, ist nicht der
richtige Weg.“

Für die Hotelbranche im Kreis Rendsburg-Eckernförde rechnet
Vordermeier-Weinstein mit einer hohen Auslastung für die kommenden Monate:
„Nach fast zweieinhalb Jahren Corona machen viele Menschen zum ersten Mal
wieder richtig Urlaub. Der Tourismus im eigenen Land steht dabei hoch im Kurs.
Hinzu kommen die Geschäftsreisenden. Und auch manche verschobene Geburtstags-
oder Hochzeitsfeier wird nachgeholt.“ Damit die Pläne der Gäste nicht an
fehlenden Rezeptionisten und Köchinnen scheiterten, müsse die Branche für die
Beschäftigten attraktiver werden, ist Vordermeier-Weinstein überzeugt. Das
gelinge nur, indem sich Löhne und Arbeitsbedingungen verbesserten.

„Zwar ist klar, dass damit gerade für kleinere Betriebe die Personalkosten
steigen“, räumt die Gewerkschafterin ein. Aber anders seien keine Menschen
mehr für den Job im Gastgewerbe zu gewinnen. Es komme darauf an, dass jetzt
auch die Kunden Verständnis zeigten. „Für ein sauberes Hotelzimmer und einen
guten Service sollte man bereit sein, etwas mehr auszugeben. Das gilt auch im
Restaurant. Ein Schnitzel für zwölf Euro ist heute nicht mehr machbar“, so
Vordermeier-Weinstein.

Redaktion
Author: Redaktion

Tagged as

Reader's opinions

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *